Die Meinung zählt (nicht?!)

von Kerry Mahmud (15 Jahre)

Kerry Mahmud

In Konstanz, einer 80.000 Einwohner-Stadt am Bodensee, gibt es seit den 60er Jahren das „Konstanzer Schülerparlament“ (KSP), eine überparteiliche Interessenvertretung von Jugendlichen für Jugendliche. Ursprünglich nur als Dachorganisation aller Konstanzer Schülermitverwaltungen (SMVen) geplant, begann Sie, auch die Meinung der Schüler zu vertreten, Partys zu veranstalten und Verantwortung zu übernehmen. Heutzutage genießt das KSP einen guten Ruf weit über den Stadtgrenzen hinaus. Dabei nimmt Sie nicht nur eine Beraterfunktion für die Stadt Konstanz ein, sondern auch eine Beraterfunktion für den Landesschülerbeirat, der dem Kultusministerium BW angehört. Doch wieso ist Jugendpartizipation wichtig? Aus der Sicht eines 15-Jährigen geschildert.

Jugendliche wollen nicht nur etwas über die Politik hören, sondern sie wollen auch aktiv daran teilnehmen, ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. Die Behauptung, dass Politik für Jugendliche langweilig ist, gilt heutzutage schon als veraltet und falsch. Jugendliche sind auf keinen Fall politikverdrossen, sondern das genaue Gegenteil: Sie warten nur darauf, loszulegen. Sie wollen ideologiefrei vertreten werden, d.h. sie treten öfters überparteilichen Zusammenschlüssen und Interessenvertretungen wie dem KSP bei und tun dort ihre Meinung kund.

Wieso treten Jugendliche nicht jugendpolitischen Organisationen wie den Jusos oder der JU bei?

Ein Grund dafür ist, dass die meisten Jugendlichen denken, dass Überparteilichkeit nicht geht und man irgendwie auf irgendeine Weise Farbe bekennen muss. Falsch gelegen! Man kann sehr wohl politisch engagiert sein und trotzdem keine Farbe bekennen. Keine Partei oder Jugendorganisation kann sich vollständig mit den Interessen von Jugendlichen identifizieren und anders herum ist es genauso.

Ein weiterer Grund ist das fehlende Vertrauen in die Politik. Junge Menschen und mittlerweile Erwachsene denken sich auch, dass ihre Stimme und ihre Meinung überhaupt nichts zählt und selten ihre Forderungen durchgesetzt werden. Dies hat das Vertrauen in Parteien und allgemein in die Politik zutiefst erschüttert.

Wie kann man Jugendliche für Politik und Jugendbeteiligung begeistern?

Aufzwingen kann man dies Jugendlichen nicht, sondern es hängt von jedem ab, inwiefern er sich beteiligen bzw. einbringen möchte. Es gibt manche, die es lieben, sich einzubringen, ihre Ideen kund zu tun, jedoch gibt es unglücklicherweise auch diejenigen, die schon vorweg negativ eingestellt sind und bei denen eine „Null-Bock-Stimmung“ herrscht. Obligatorisch ist auch eine Plattform, auf der sich Jugendliche mit gleich gesinnten austauschen können und sich somit auch neue Kontakte knüpfen können. Als Beispiel könnte man das Jugendhaus in Biberach nehmen. Die gesamte Planung lief über Facebook ab und dies war ein voller Erfolg.

Blick auf die Zukunft

Abschließend möchte ich für mich sprechen. Wir haben schon viel erreicht in Sachen Jugendbeteiligung und haben, im Gegensatz zu früher, eine Einbindung der Jugendlichen ermöglicht. Jedoch ist dies nicht genug und muss weiterhin gestärkt werden. Die Meinung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist von unschätzbarer Bedeutung und ist auch besonders wichtig. Wie heißt es so schön: „Die Jugend ist die Zukunft von morgen“. Diesen Satz sollten wir uns alle zu Herzen nehmen.

Kerry Mahmud ist 15 Jahre alt und beteiligt sich politisch in seiner Heimatstadt Konstanz. In seinem Beitrag auf dem Partizipationsblog schildert er seine Erfahrungen und Perspektiven auf die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen.      

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