Archiv für den Autor: Udo Wenzl

Kinder sind zugleich Gegenwart und Zukunft einer Gemeinde, so Bürgermeister Christian Riesterer aus Gottenheim

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Mit großen Interesse verfolgen die Gottenheimer Kinder den Ausführungen Ihres Bürgermeisters Christian Riesterer zu den Planungen des neuen Kindergartens. Dies war Teil der Dorfdetektive, genauso wie die Gemeindeerkundung und die Präsentation der Ergebnisse im Gemeinderat. Mit Bürgermeister Christian Riesterer sprach Udo Wenzl:

Was hat Sie als Bürgermeister von Gottenheim dazu bewegt, mit den Kindern die Gemeinde zu erkunden und die Ergebnisse im Gemeinderat zu diskutieren?

Eine Bürgerin und Lehrerin in einer Nachbargemeinde hat mich auf das Projekt Dorfdetektive aufmerksam gemacht und war als beteiligte Lehrerin begeistert von der Idee und der gemeinsamen Arbeit. Da wir in Gottenheim sehr viel Wert darauf legen alle Bevölkerungsschichten in unser Gemeindeleben und unsere Entscheidungen möglichst mit einzubeziehen lag es nahe mit dem Projekt Dorfdetektive die Kinder unserer Grundschule zu aktivieren und zu motivieren an diesem Projekt teilzunehmen. Das Projekt steht bei uns in Gottenheim auch im Kontext zur Jugendbeteiligung, die wir in Form eines Jugendhearings durchgeführt haben. Erste Projekte wurden hier auch schon umgesetzt. Perspektivenwechsel; Unter diesem Stichwort stand für uns dieses Projekt mit den Kindern. Und tatsächlich hat der Perspektivenwechsel – Unser Dorf aus Sicht der Kinder- teilweise die Augen für Dinge geöffnet, die wir so noch nicht wahrgenommen haben. Die Vorstellung der Präsentationen der Kinder im Gemeinderat war für beide Seiten sehr spannend und anregend. Erst kürzlich in der Gemeinderatssitzung wurde mir die Frage gestellt, inwieweit schon Dinge aus dem Kinderprojekt in Arbeit sind oder umgesetzt wurden. Wir haben durch das Projekt nun eine Agenda und Aufgabenliste, die wir immer wieder in unserer Arbeit einfließen lassen und Wünsche, soweit es möglich ist, umsetzen. Rundum ein für alle Beteiligten tolles und interessantes Projekt!

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Sie waren einen Tag mit über 50 Grundschulkindern der 3ten und 4ten Klasse zusammen. Wie haben Sie die Kinder erlebt? Wie war das Interesse der Kinder an der Gemeinde?

Für mich persönlich war es ein sehr interessantes und schönes Erlebnis mit den Kindern zu arbeiten. Die Kinder waren sehr interessiert, neugierig und aufgeschlossen. Obgleich die äußeren Umstände durch das sehr warme Wetter für alle  etwas schwierig waren. Das Projekt hat mich in Person des Bürgermeisters den Kindern sehr viel näher gebracht und vor allem auch umgekehrt.Das Interesse der Kinder war aus meiner Sicht sehr groß. Das lag insbesondere auch an der sehr guten Anleitung und Durchführung durch Martina Bechtle und Udo Wenzl.

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 Welche Zukunftsperspektiven für Gottenheim verbinden Sie mit einer aktiven Kinder- und Jugendbeteiligung?

Gottenheim ist ein Dorf mit rund 3000 Einwohnern im ländlichen Raum, aber nahe der Stadt Freiburg mit ganz anderen Strukturen, als hier in Gottenheim. So sind selbstverständlich die Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen auch sehr vielfältig. Beachtlich war die Umfrage nach einer Vereinszugehörigkeit unter den Kindern. Gerade mal drei Kinder von rund 60 Kindern waren nicht in einem örtlichen Verein. Das zeigt mir, dass die Kinder hier in Gottenheim sehr gut eingebunden sind. Die Identifikation der Kinder mit unserer Gemeinde ist sehr hoch. Das kam deutlich zum Ausdruck. Wenn sich Kinder und Jugendliche mit der Wohngemeinde identifizieren und sich wohlfühlen ist das für eine Gemeinde der beste Indikator. Wir sind mit unserer Arbeit auf dem richtige Weg!

 Wenn Sie Ihren Bürgermeisterkollegen bei der nächsten Sprengelsitzung von der Kinderbeteiligung erzählen würden … dann kann ich meinen Kollegen nur empfehlen die Kinder und Jugendlichen ebenfalls aktiv in das Dorf- und Gemeindegeschehen einzubinden. Es lohnt sich!

Abschließend ist es mir wichtig zum Ausdruck zu bringen, wie wichtig und nachhaltig dieses Projekt für uns war. Es war eine tolle Zusammenarbeit mit dem Team Bechtle Wenzl. Auch unserem Lehrerinnen-Team ein ganz herzliches Dankeschön für die tolle Unterstützung und Mitarbeit im Projekt.

Weitere Informationen zu den Dorfdetektiven sind zu finden unter www.gottenheim.de

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Kinderbeteiligung im kommunalen Raum – mit Kindern die Gemeinde erkunden!

Harald Kordes (Schulleiter) und Simone Wolff (stellvertretende Schulleiterin) – sind das Leitungsteam der Eugen Bolz Grundschule Brochenzell (Gemeinde Meckenbeuren im Bodenseekreis). Gemeinsam mit Manuela Mayer (Schulsozialarbeit), Ralf Schwaiger (Jugendreferat) und mit gut 30 Kindern der zwei 4ten – Klassen wurde das Konzept der Gemeindedetektive umgesetzt.

Ein ganz konkreter Weg, so Udo Wenzl, Artikel 12 (Berücksichtigung des Kinderwillens) der UN-Kinderrechtskonvention umzusetzen. Auch der Grundschulbildungsplan im Fächerverbund MENUK (Mensch, Natur und Kultur) stellt in seinen Leitgedanken zum Kompetenzerwerb „das tägliche partnerschaftliche, demokratische und weltoffene Handeln“ in den Mittelpunkt, was „zur Gestaltung eines zukunftsfähigen Verhältnisses der Schülerinnen und Schüler zur Heimat und zur Welt“ betragen soll. (Bildungsplan Grundschule 2004 des Landes Baden-Württemberg, S. 96) Auch heißt es: „Im Fächerverbund erwerben die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen, die sie befähigen, sich an ihrer eigenen Beheimatung aktiv zu beteiligen…“

Mit Harald Kordes und Simone Wolff sprach Udo Wenzl

Was hat Sie dazu bewegt, mit den Kindern die Gemeinde zu erkunden und die Ergebnisse im Gemeinderat von Meckenbeuren vorzustellen?
Schon seit langem war es uns ein Anliegen, unsere Schulkinder auf dem Weg zu mündigen Mitbürgern dahingehend zu begleiten, dass sie ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern können und auch gehört werden. Das Projekt Kinderbeteiligung erschien uns eine ideale Möglichkeit, diese Ziele umfassender und öffentlichkeitswirksam umzusetzen.

Welchen Rahmen hat MENUK hierbei für die Umsetzung gegeben?
Wie bereits oben zitiert, wurden beim Projekt wichtige Zielsetzungen des Fächerverbundes umgesetzt. Darüber hinaus wurden aber auch bei allen anderen Aktivitäten im Verlauf des Projektes Kompetenzen geschult, die den Erwartungen des Fächerverbundes und den allgemeinen Zielsetzungen des Bildungsplans entsprechen. Zu nennen wären hier unter anderen folgende Kompetenzen: sich eine eigene Meinung bilden, Diskussionen in der Gruppe gewinnbringend führen, Ergebnisse klar und gut nachvollziehbar präsentieren, …

Wie erlebten Sie die Kinder Ihrer Grundschule bei der Umsetzung des Konzepts? Was waren Ihre eindrücklichsten Erlebnisse und Erfahrungen?
Die Kinder waren von Anfang bis Ende hochmotiviert, sehr konzentriert und sehr kreativ bei der Sache. Sonst übliche freundschaftsbedingte Gruppierungen lösten sich wie von selbst auf und verwandelten sich in sachbezogene interessensorientierte Gruppen. Diese Haltung: „Es geht um ein Ziel der Gruppe und nicht so sehr um mich als Einzelperson“ war eine von vielen wichtigen Beobachtungen. Auch konnte man den Stolz der Kinder darüber, dass sie als Zielgruppe im Mittelpunkt standen und sogar der Bürgermeister sich einige Stunden Zeit für sie nahm, deutlich spüren. Am eindrucksvollsten war es dann für uns zu erleben, wie die Kinder 30 Minuten lang mit unterschiedlichsten Präsentationstechniken sehr selbstbewusst und abwechslungsreich dem Gemeinderat und einer großen öffentlichen Zuhörerschaft ihre Ergebnisse vorstellten.

Die Kinder haben die Ergebnisse selbst im Gemeinderat vorgestellt. Wie hat der Bürgermeister und der Gemeinderat die Ergebnisse aufgegriffen?
Die Kinder bekamen unmittelbar nach der Präsentation sowohl vom Gemeinderat als auch vom Bürgermeister eine erste Stellungnahme, in der sogar einige wenige kleine Zusagen gemacht wurden. Geplant ist ein weiterer Termin, bei dem der Bürgermeister und eine Abordnung des Gemeinderats zur Schule kommen, um den Beteiligungsprozess inhaltlich fortzuführen.

Welche Empfehlungen können Sie Ihren Kolleg*innen in anderen Grundschulen geben?
Wer die Chancen, die ein solches Projekt den Kindern eröffnet, nicht nutzt, hat einen großen Schritt in die richtige Richtung verpasst.

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Kinder sollen und Jugendliche müssen! Mit der neuen Gemeindeordnung Kinder- und Jugendbeteiligung gestalten

von Udo Wenzl

Die neue Gemeindeordnung in Baden-Württemberg wurde Mitte Oktober im Landtag von Baden-Württemberg verabschiedet. Nun ist es amtlich: “Die Gemeinde soll Kinder und muss Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen.” Mit dieser Neuerung in der Gemeindeordnung nehmen wir nun auch im Ländervergleich eine Spitzenposition ein.
Die Gemeinden haben die Chance, passgenaue Beteiligungsformate für Kinder und Jugendliche zu entwickeln. Politisch Verantwortlichen der Gemeinden und Städte sollten sich in aller erster Linie erstmal mit der jungen Generation darüber verständigen, was eine gute und auch neue Politik mit und für Jugendliche sein könnte.
Die Weiterentwicklung unserer Gemeinden und Städte sollte gerade mit denen gestaltet werden, die möglicherweise noch sehr lange in der Gemeinde leben sollen und wollen und oft auch leben werden. Manche Jugendliche werden aufgrund von Ausbildung und Studium ihren Lebensraum verlassen. Haben sie jedoch positive Erfahrungen mit ihm gesammelt, besteht durchaus eine große Chance, dass sie auch wieder in die Region zurückkommen wollen.
Gerade die im ländlichen Raum liegenden, meist kleineren Kommunen stehen vor der Herausforderung, Zukunftsperspektiven so zu entwickeln, dass sie auch weiterhin attraktiv für ihre, für alle Bürgerinnen und Bürger und somit auch für die junge Generation sind. Vor allem unter dem Aspekt der demographischen Entwicklung ist daher von geradezu existenzieller Bedeutung, auch den jungen Menschen eine Perspektive zu bieten.
Somit lohnt es sich jetzt, das passgenau Beteiligungsverfahren mit Kindern und Jugendlichen zu entwickeln. Nicht nur im ländlichen Raum sondern auch in den Städten und Ballungszentren. Eine kinder- und jugendfreundliche Kommunalpolitik, die Kinder und Jugendliche von Anfang an mit einbezieht, ist ein hierbei der zentrale Ansatz.

Die Gemeindeordnung setzt auf vielfältige Methoden und auf Partizipationsmix!
Der Jugendgemeinderat ist nicht die alleinige Form der Jugendbeteiligung. Vielmehr regt die Gemeindeordnung an, dass geeignete Verfahren der Beteiligung zu einer Jugendvertretung entwickelt werden sollen. Der Jugendgemeinderat stellt eine Form der Beteiligung dar. Auch haben Jugendliche jetzt selbst die Möglichkeit, das Thema auf die Agenda des Gemeinderats zu bringen. Gewinnbringend ist, wenn Jugendliche und Kommunalpolitiker*innen sich gemeinsam darüber verständigen, was ein sinnvoller Weg dahin ist.

Kinder und Jugendliche haben eine Stimme und eine Vorstellung von Zukunft!
Um insbesondere für die junge Generation als Kommune attraktiv zu bleiben, braucht es eine neue und eigenständige Jugendpolitik, die von Anfang an Kinder und Jugendliche aktiv mit einbezieht, bzw. den Raum gibt, dass Kinder und Jugendliche sich aktiv einbringen können. Würde dies geschehen, dann führt es dazu, dass sich die junge Generation von Anfang an als wichtiger Teil der Kommune fühlt und sich mit ihr auch identifiziert. Eigenverantwortung, Mitbestimmung und Mitsprache bieten jungen Menschen die Möglichkeit, ihre besonderen Interessen und Wünsche zu artikulieren und aktiv an der Gestaltung der eigenen Lebenswelt mitzuwirken. Nur so kann es gelingen, die Interessen der Kinder und Jugendlichen in ein ganzheitliches Konzept einzubinden, damit die Gemeinden und Städten sich zu kinder- und jugendfreundlichen Lebensräumen weiterentwickeln. Und hier geht es nicht nur um Betreuungsangebote für die Kleinsten.

Der Partizipationsblog von Erik Flügge und Udo Wenzl gibt viele Impulse! Erfahrungen und Überlegungen aus der konkreten Arbeit von Erik Flügge und Udo Wenzl sind in diesem Blog zu finden. Auch Impulse und fachliche Einschätzungen von erfahrenen Kolleg*innen, (Ober) Bürgermeistern und Stimmen von Jugendlichen.

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Wenn junge Menschen sich für eine bessere Mobilität einsetzen: Pavlos Wacker engagiert sich im Rat der Jugend

Pavlos Wacker aus Biederbach engagiert sich im “Rat der Jugend im Zweitälerland” und setzt sich für mehr Mobilitätsangebote in seiner Region ein. Biederbach und die Gemeinden Elzach, Gutach im Breisgau, Simonswald und Winden im Elztal arbeiten gerade in einem interkommunalen Mobilitätsprojekt zusammen. Gemeinsam mit der Großen Kreisstadt Waldkirch wollen sie das Mobilitätsangebot für Jung und Alt verbessern (siehe http://www.partizipations-blog.de/2015/08/mobilitaetsperspektive-im-laendlichen-raum-fuer-jung-und-alt/)

Wie bist du öffentlich in Deiner Region unterwegs und wie bewertest Du das Mobilitätsangebot im Zweitälerland?

Ich bin auf den ÖPNV angewiesen. Jeden Morgen fahre ich mit der Breisgau S-Bahn in die nächstgrößere Kreisstadt Waldkirch, um in die Schule zu gehen. Und nach der Schule zurück. Wenn ich Freunde besuche oder abends irgendwo hinfahren möchte, bin ich erneut auf den Zug angewiesen. Prinzipiell ist das Mobilitätsangebot in meiner Region in Ordnung. Zu Stoßzeiten zumindest, fahren vermehrt Buse und Züge, leider nur im ein Stunden Takt. Problematisch wird es früh morgens oder nachts, teils auch am Wochenende, wenn keine Öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs sind. Ich musste schon häufiger nachts meine Eltern kontaktieren, weil keine Züge oder Buse fuhren. Die Breisgau S-Bahn beispielsweise, fährt nur bis 23:00 Uhr. Es gibt nur gelegentlich Nachtbusse, die auch nicht alle Dörfer in der Region abdecken. Teilweise ist es verständlich, dass profitorientierte Verkehrsgesellschaften nur stündlich oder zu Stoßzeiten unterwegs sind. Darunter „leiden“ tun eben alle die, die auch am Wochenende oder nachts unterwegs sind, daher sind wir vor allem im ländlichen Raum, auf Nachhaltige Mobilitätsalternativen angewiesen.

Wie wichtig ist das Fahrrad bei Dir im Dorf und in deiner Region, um unterwegs zu sein?

Meiner Meinung nach ist das Fahrrad im ländlichen Raum essentiell. Ich wohne in Biederbach und muss, wenn ich Einkaufen, zum Freibad oder sonst wohin will, das Fahrrad nutzen. Wenn ich Zeit habe, fahre ich auch in die nächstgrößere Stadt Waldkirch. Außerdem wird das Fahrrad in meiner Region auch häufig zu sportlichen Zwecken genutzt. Da bietet sich der Schwarzwald besonders an.

Du engagierst Dich im Rat der Jugend. Was hat dich dazu bewegt und was sind die zentralen Themen und Anliegen?

Zwei Dinge. Das Problem der eingeschränkten Mobilität musste ich am eigenen Leib erfahren. Als ich vor einem Jahr hergezogen bin, habe ich schnell gemerkt was für ein immenser Unterschied es ist, in einer großen Stadt zu wohnen oder in einem Dorf. Vor allem im Jugendalter möchte man so frei und unabhängig sein, wie irgend möglich. Auf dem Land ist dies eben nicht so einfach. Im Alltag ist das eines der größten Einschränkungen, die man auf sich nimmt. Nicht Mobil zu sein.
Wegen meinem Interesse an Politik, hat mich ein Freund gefragt, ob ich den nicht mal Lust hätte zu einem Treffen des Rats der Jugend mitzukommen. Es hat vom ersten Tag an Spaß gemacht. Momentan geht es um den Ausbau von Mobilitätsangeboten, durch eine Mobilitätsplattform im Elz- und Simonswäldertal. Wie kann man die Mobilität im ländlichen Raum voranbringen? Wie wird Mobilität Nachhaltig? Wie kann man Entscheidungsträger dazu bringen, mit uns an einem Strang zu ziehen? Dies sind alles Fragen mit denen wir uns Beschäftigen.

Wann hat sich dein Engagement „gelohnt“?

Das tolle an einer Jugendbeteiligungsinitiative ist, dass wir ständig die Möglichkeit bekommen etwas langfristig zu verändern. Am schönsten ist es, wenn man das Gefühl vermittelt bekommt, dass man ernst genommen wird. Beispielsweise haben wir im Stuttgarter Landtag die Möglichkeit bekommen mit Abgeordneten unseres Wahlkreises zu sprechen. Bei einem weiteren Treffen mit Senioren und Menschen mit Behinderung, konnten wir das Projekt vorstellen und haben Input erhalten für das weitere Vorgehen. Dies waren sehr motivierende Treffen, die mich persönlich zum Weitermachen animiert haben.

Was glaubst du, wie sich Dein Leben nach der Schule gestalten wird?

Nach meinem Abitur nächsten Sommer würde ich gerne Politikwissenschaften studieren. Auf jeden Fall möchte ich weiterhin in Projekten aktiv bleiben. Es macht unheimlich Spaß und es ist schön zu sehen, dass man etwas zu langfristigen Lösungen beitragen kann. Schön wäre es zu sehen, ob das hiesige Mobilitätsprojekt von der Bevölkerung angenommen wird. Aber ich glaube, dass das Projekt zukunftweisend und eine seriöse Alternative zu dem bisherigen Mobilitätsformen wird!

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Mobilitätsperspektive im ländlichen Raum – für Jung und Alt!

Ein Praxisbeispiel aus dem Zweitälerland (Elz- und Simonswäldertal, Landkreis Emmendingen)

von Udo Wenzl

Mobilität ist heute zu einem Stück Selbstverständlichkeit geworden, gehört zum modernen Leben und ist eine wesentliche Grundlage für die Teilhabe am öffentlichen Leben. Sie ist notwendig, um zur Arbeit, zur Schule, zum Einzukaufen und/oder zu Freizeitorten zu gelangen. Gerade in den ländlichen Regionen ist die Weiterentwicklung der Mobilität ein wichtiges und zukunftsweisendes Thema. Nicht nur für die Jugendlichen einer ländlichen Region, sondern auch für die älteren Mitbürger*innen, die z.B. bewusst auf ihr Auto verzichten möchten, besteht großer Handlungsbedarf, da die klassischen Mobilitätskonzepte mit einem ausgedünnten Netz an Linienbussen und Regionalzügen in vielen ländlichen Gebieten besonders für die Bedürfnisse der Jugendlichen nicht mehr ausreichen. Die Suche nach passgenauen Mobilitätsangeboten hat begonnen und die Zahl der Mitfahr-Plattformen nimmt zu.

Damit junge Menschen in der Region, in der sie aufgewachsenen sind, bleiben, brauchen sie mehr bedarfsgerechte Mobilitätsangebote. Dies allein schafft der ÖPNV nicht. „Wir müssen für die Zukunft auch verkehrsträgerübergreifend denken. Und beispielsweise die Dienstleistung von Carsharing-Anbietern und Mitfahrzentralen in die Planungen (des Personennahverkehrs – Anmerkung des Autors) mit einbeziehen. Internet und Smartphones sind da hilfreich, denn sie erleichtern es Kunden, eine Dienstleistung unkompliziert abzurufen“ so z.B. die Geschäftsführerin der Südbadenbus GmbH Simone Stahl (Quelle: Badische Zeitung 05.12.2014).

Viele ländliche Regionen arbeiten bereits an nachhaltigen Mobilitätskonzepten. Es lohnt sich diese genauer unter die Lupe zu nehmen. Ganz aktuell nimmt der Schwarzwald-Baar-Kreis an einem Pilotprojekt mit flinc und Südbadenbus teil. Einzelne Kommunen, wie z.B. St. Georgen (Schwarzwald), oder einige Kommunen im Rems-Murr-Kreis haben eine Mitfahrbörse (in beiden Fällen mit flinc) eingerichtet. Die Halbinsel Höri im Landkreis Konstanz hat mit „Höri mit“ ein ganz eigenes System des Mitfahrens entwickelt (www.hoeri-mit.de).

Jugendliche und der „Rat der Jugend“ setzen sich für mehr Mobilität ein – Halbzeit beim Modellprojekt im Zweitälerland Im Anschluss an das LEADER – Projekt „Die Zukunft der Jugend im ländlichen Raum“ (http://www.partizipations-blog.de/2015/02/die-zukunft-der-jugend-im-laendlichen-raum-ein-leader-projekt/) startete der „Rat der Jugend im Zweitälerland“ mit der Umsetzung der Projektidee zur Einrichtung einer Mobilitätsplattform durch. Allen Beteiligten war klar, dass es hierzu erstmal einen Vorlauf benötigt. Es fand daher bereits eine Mobilitätskonferenz mit rund 80 Teilnehmer*innen, mit Referenten von SBG SüdbadenBus GmbH, der flinc AG (eine dieser Mobilitätsplattformen) und dem Landratsamts Emmendingen statt. Auch wurde eine Diskussionsveranstaltung mit den Seniorenräten und Beiräten für Menschen mit Behinderung aus den Gemeinden des Elz- und Simonswälder Tales mit über 30 Teilnehmer*innen organisiert. Die Unternehmen wurden mit ins Boot geholt. Es fand eine Schulung zur „Nachhaltigen Mobilität“ mit 15 Jugendlichen statt, die jetzt wiederum als Multiplikatoren in Schulen, Vereinen und in Jugendtreffs Mobilitätsworkshops anbieten und durchführen. Vertreter*innen des ‚Rats der Jugend‘ haben das Projekt im Kabinettsausschuss für Bürgerbeteiligung der Landesregierung und beim Jugendlandtag Baden-Württemberg (www.wasunsbewegt-bw.de) vorgestellt.

Stand der Dinge ist, dass zwei der möglichen Mobilitäts-Plattformen in der engsten Auswahl sind und im September eine Entscheidung getroffen wird, welche der angebotenen Plattformen für die Region am besten passt.

Die Jugendlichen bringen sich, mit Unterstützung eines Projektteams, als Expert*innen in eigener Sache ein. Verbesserungsmöglichkeiten für den ÖPNV sowie Ideen für weiterführende Mitfahrsysteme wurden diskutiert und konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet. Auf Initiative des „Rats der Jugend“ wurde gemeinsam ein Netzwerk mit den Gemeinden (Bürgermeistern), Senior*innen und Unternehmen aufgebaut, um die Umsetzung der Verbesserungsvorschläge möglich zu machen. Das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur in Baden-Württemberg unterstützt das Projekt der Jugendbeteiligung sowie das Bildungsangebot zur „Nachhaltigen Mobilität“ finanziell. Im Rahmen einer Bildungsfahrt in den Landtag von Baden-Württemberg wurde das Projekt u.a. den Wahlkreisabgeordneten und dem begleitenden Mitarbeiter des Verkehrsministerium vorgestellt (siehe: http://www.jungerlandtag-bw.de/files/live/sites/yltbw/files/dokumente/Mobil%20im%20Tal.pdf).

Die Jugendlichen setzen sich interkommunal dafür ein, das Mobilitätsangebot in ihrer Region nachhaltig zu verbessern. Die Umsetzung rückt in greifbare Nähe. Dieses Projekt zeigt, wie politische Bildung und Beteiligung ganz konkret und verzahnt gestaltet werden kann und gibt Impulse dafür, wie in einer ländlich geprägten Region interkommunal zusammen gearbeitet wird.

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Neues Konzept geht auf: 160 jugendliche Expert*innen beraten Jugendhilfeausschuss in Villingen-Schwenningen

von Franz Sauerstein (http://franzsauerstein.de/)

Villingen-Schwenningen wagt sich an den Prozess Jugendbeteiligung und kombiniert dabei bewährte Methoden mit noch nicht dagewesenen Ideen – mit durchschlagendem Erfolg: Der Gemeinderat von Villingen-Schwenningen gab in Auftrag ein Jugendbeteiligungskonzept zu entwickeln. Udo Wenzl schlug eine Beteiligungswerkstatt in Verzahnung mit einer offiziellen Sitzung des Jugendhilfeausschusses vor. Auf diese Weise können die teilnehmenden Jugendlichen hautnah und sofort erleben, wie auf Ihre Ideen und Engagement reagiert und es weitergetragen wird. Die Idee titelt eindrucksvoll und in Deutschland einmalig: 160 jugendliche Experten beraten den Jugendhilfeausschuss Villingen-Schwenningen!

Wirkungsvolle Kommunikation im Social Web sprengt Münsterzentrum: Der Startschuss für die Anmeldung zur Beteiligungswerkstatt wurde im Januar 2015 auf der Website www.jugendbeteiligung-vs.de und auf Facebook gegeben. Das Anmeldeformular musste frühzeitig offline genommen werden, da die immer höher werdenden Teilnehmerzahl die bereit gestellte Infrastruktur zu sprengen drohten. Am Ende fanden sich 160 Jugendliche im Münsterzentrum ein, um ihr Modell der Jugendbeteiligung zu finden. Die heranwachsenden Villinger-Schwenninger schlagen einen Jugendgemeinderat beziehungsweise eine gewählte, verbindliche Form der Jugendbeteiligung in Verzahnung mit einem Jugendforum vor. Am Modell werden wir von Anfang an mit einer Gruppe Jugendlicher weiterarbeiten. Nebenbei entdeckten die jungen Experten Stärken und Schwächen ihrer Stadt, entwickelten Ideen, planten Treffpunkte, diskutierten ihre Mobilität und die Anbindung der ländlichen Ortsteile, besprachen ihre Freizeitgestaltung und sprachen sich für Bildung und Schulsanierungen aus.

Website und Facebook erreichen und aktivieren Jugendliche: Die Onlinepartizipation in Villingen-Schwenningen stützt sich auf eine Facebookseite und eine Website mit angebundenem Forum. Über die Facebookseite können schnell, kostengünstig und umfassend Jugendliche in Villingen-Schwenningen über Themen, Ideen und Diskussionen informiert und aktiviert werden. Die Website bietet mit ihren jugendrelevanten Nachrichten und dem Diskussionsforum einen Sammelplatz für junge Villinger, Schwenninger und aus den eher ländlich gelegenen Ortsteilen.
Seit dem Jugendforum verfügt die Facebookseite über 327 aktive Follower und konnte durch ihre hohen Interaktionsraten knapp 15.000 Leute in VS erreichen. Innerhalb von 7 Tagen nach dem Jugendforum interagierten 2601 Menschen mit “Jugendbeteiligung in Villingen-Schwenningen”, drücken also ihre Zustimmung zu Beiträgen und Diskussionsbeiträgen aus und diskutieren selbst mit. Das ist eines der besten bekannten Ergebnisse für Online-Jugendbeteiligung in einer Kommune in Baden-Württemberg.

Keine Einheitslösung für Kommunen: Die Statistik zeigt, dass Facebook in Villingen-Schwenningen ein Kanal ist, mit dem man viele Jugendliche erreichen, ansprechen und aktivieren kann. Es gibt kein Rezept, um Onlinepartizipation zu garantieren, aber mit Erfahrung und Know-How kann man für jede Gemeinde eine passende Lösung finden.
Ich habe Villingen-Schwenningen empfohlen die Verantwortung über die Facebook- und Internetseite in Zukunft einem städtischem Mitarbeiter mit messbaren Erfahrungen und Erfolgen in Sachen Social Web zu übergeben und ein Team von Jugendlichen für die Mitarbeit an der Facebookseite, der Website und dem Forum zu begeistern.

Die Website www.jugendbeteiligung-vs.de sollte zur zentralen Plattform für Jugendliche in VS ausgebaut werden. Für diese Aufgabe und die Promotion der Arbeit der Jugendbeteiligung offline, online und insbesondere in den sozialen Medien sollte ein dreistelliges, monatliches Budget bereitgestellt werden.