Archiv für den Monat: Dezember 2018

Jugendfeuerwehr mal anders – Kreisjugendsprecher beschäftigen sich mit den Kommunalwahlen 2019

Bild in FW Uniform Quer

Mein Name ist Jonas Ebding, ich bin 16  Jahre alt und Schüler in der 11. Klasse des Clara-Schumann-Gymnasiums in Lahr. In der Jugendfeuerwehr trage ich in Lahr das Amt des Jugendgruppensprechers und vertrete meine Gruppe in Lahr. Zudem begleite ich das Amt als stellvertretender Kreisjugendsprecher der Jugendfeuerwehr im Ortenaukreis. Hierbei vertrete ich gemeinsam mit zwei anderen Kreisjugendsprechern die Jugendlichen im Ortenaukreis und schaffe Verbindungen zwischen einzelnen Jugendfeuerwehren im Landkreis.

Jedes Jahr treffen sich die Kreisjugendsprecher aller Landkreise in Baden- Württemberg zu einem gemeinsamen Treffen in der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal. Dieses Treffen hat den zeitlichen Rahmen von Freitagabend bis Samstagmittag. Ein großer Schwerpunkt des vergangenen Treffens am 26.- 27. Oktober war das Thema Kommunalwahl mit dem Workshop „Wahlen und Demokratie- wie bestimmen diese dein Leben?“

Der zweite Tag des Treffens wurde gefüllt mit dem Workshop „Wahlen und Demokratie – wie bestimmen diese dein Leben?“ welcher von Udo Wenzl geleitet wurde. Er ist freiberuflicher Kommunalberater und hatte heute die Aufgabe den Kreisjugendsprechern die Kommunalwahlen näher zu bringen. Als das Stichwort „Kommunalwahl 2019“ auf der Bildschirmpräsentation sichtbar wurde, waren erste Reaktionen wie „Politik- das ist ja langweilig“ zu vernehmen. Doch nach dem dreistündigen Workshop hat sich diese Meinung bei den Meisten geändert. Ein weiterer Grund für das Interesse an Kommunalpolitik wurde auch geweckt durch eigenen Denkanstöße und Übertragungen auf den Alltag jedes einzelnen Teilnehmers. Der Workshop war kein Frontalunterricht wie aus der Schule bekannt. Nach einer kurzen Begrüßung durch das Referententeam Udo Wenzl und Pavlos Wacker waren die Kreisjugendsprecher gefragt. Die erste Aufgabe trug den abstrakten Namen „Raumsoziometrie“. Hinter diesem Wort steckt aber eine ganz simple Aufgabe: Die Jugendlichen sollten einmal drüber nachdenken wie viel Kontakt sie zu Kommunalpolitik haben. Beispielsweise lautete eine Frage „Wie viel Kontakt habt ihr zu eurem Bürgermeister?“ und die Jugendvertreter mussten sich auf einer Skala von 1-10 im Raum verteilen. Das war schon die erste Gelegenheit einmal darüber nachzudenken, was Kommunalpolitik eigentlich bedeutet. Ziel des Workshops war es nämlich zu erkennen, dass Kommunalpolitik jeden Betrifft – auch die Jugendlichen. So kamen die Referenten gemeinsam mit den Kreisjugendsprechern zum zweiten Punkt des Workshops der sich darum dreht, was Kommunalpolitik eigentlich ist. Auf der Bildschirmpräsentation wurden Bilder gezeigt, beispielsweise ein Obdachloser auf einer Parkbank, eine Schule mit alter Ausstattung oder auch Kleinkinder im Kindergarten. Die Aufgabe bestand nun darin die Aufgaben der Gemeinde mit den Bildern zu verknüpfen. Die Jugendlichen assoziierten frei vor sich hin und erkannten auf einmal, was die Gemeinde alles für Aufgaben zu bewältigen hat und welche Entscheidungen getroffen werden müssen. Themen wie die Infrastruktur von Schulen war ein Schwerpunkt der Jugendlichen. Die meisten von ihnen gehen noch zur Schule, jedoch lässt dort die Ausstattung, gerade was Technik angeht, oft zu wünschen übrig. Die Workshop Teilnehmer wissen nun was Kommunalpolitik ist und wo sie im täglichen Leben zu sehen ist. Jetzt waren wieder die Kreisjugendsprecher gefragt. Gearbeitet wurde jetzt in einem sogenannten „World-Café“. Dabei trafen sich Kleingruppen von etwa sechs Leuten an einem Tisch und diskutierten mit dem bereits erworbenen Wissen über Problematiken in der eigenen Gemeinde. Aufgefallen ist zum Beispiel, dass viele Gemeinden einen Jugendgemeinderat haben – viele Gemeinden aber auch nicht. Das hat vielen Jugendlichen vor Augen geführt, dass Handlungsbedarf in der eigenen Gemeinde besteht. Diese Erkenntnis können die Kreisjugendsprecher nun in ihre Landkreise und schließlich auch in ihre Gemeinden und Kommunen vorbringen um gemeinsam solche Probleme zu lösen. Zudem ist kaum ein anderer Verein oder eine andere Organisation so flächendeckend aufgestellt wie die Jugendfeuerwehr. Von 1100 Kommunen in Baden- Württemberg haben 1010 eine Jugendfeuerwehr. Das heißt die Jugendfeuerwehr kann auf viele Problematiken „vor der eigenen Haustür“ aufmerksam machen. Abschließend gab es noch einen Transfer. Die Kreisjugendsprecher konnten die Problematiken auf ihren eigenen Alltag übertragen. Jetzt wissen sie, dass sie nicht nur einer von vielen sind, sondern eine Stimme haben die in der eigenen Gemeinde gehört wird. Zuletzt wurde das Wahlrecht ab 16 Jahren erklärt. Sinn dahinter ist es nicht einfach wählen zu gehen um wählen gegangen zu sein, sondern wählen zu gehen und zu wissen wen oder was man wählt. Zum Ende dieses Workshops können alle Teilnehmer nun sagen, dass sie etwas gelernt haben. Es ist wichtig sich auf kommunaler Ebene in die Entscheidungen mit einzubringen und Politik ist kein langweiliges Thema für alte Leute und findet auch nicht nur im weit entfernten Berlin statt sondern betrifft jeden!

 

Dabei sein, mitmachen, Ideen entwickeln! Erste Tagung des 8er-Rats im Schwetzinger Schloss

Passfoto Hanna

von Hanna Schwichtenberg, Lehrerin am Hebel-Gymnasium Schwetzingen für die Fächer Deutsch, Ethik und Gemeinschaftskunde begleitete ihre 8 Klasse zum 8er-Rat: “Mir ist es ein Anliegen, junge Menschen für Politik zu interessieren, für das, was uns alle betrifft, gegen Politikverdrossenheit und Zukunftsängste, für lebendige Demokratie und die Umsetzung der Menschenrechte. Angebote politischer Beteiligung für junge Menschen sind dabei sehr wichtig, das neue Format des 8er-Rats bietet hier viele Chancen, die genutzt werden sollten.”

Am schönsten Ort Schwetzingens, im südlichen Zirkelbau des Schlosses, treffen sich 160 Jugendliche aus den achten Klassen der weiterführenden Schulen der Kommune zum ersten Jugendforum des 8er-Rats.  „Wir wollen euch fragen, was eure Themen und Anliegen sind. Wir können nicht alles machen, aber Vieles ist möglich“, so begrüßt Oberbürgermeister René Pöltl die Schüler*innen. Er betont, dass der 8er-Rat als neues Beteiligungsformat für Jugendliche einer Gemeinde etwas völlig Neues sei, ein Wagnis. Er ist aber optimistisch, dass sich der Prozess lohnen kann. Auch die Jugendlichen sind gespannt, was auf sie zukommt.

Ingmar Neumann und Udo Wenzl, beide Kommunalberater, die das Konzept einer schulübergreifenden Jugendbeteiligung auf kommunaler Ebene entwickelt und schon mehrfach mit Erfolg umgesetzt haben, schaffen mit einem Warming-up durch Kennenlernspiele eine freundliche und offene Atmosphäre. Schnell kommen alle ins Gespräch miteinander.

Der 8er-Rat will zeigen, dass Demokratie offen ist für das Mitmachen und dass es sich lohnt, sich in das Gemeinwesen einzubringen. Die Schüler*innen machen die Erfahrung, dass die anwesenden Erwachsenen -neben dem Oberbürgermeister ist auch Kulturbürgermeister Roland Strieker da sowie die Jugendreferentin der Stadt Andrea Kroll, zudem Schulsozialarbeiter und Lehrkräfte – für sie da sind und ihnen ein offenes Ohr schenken.

Was finden die jungen Leute gut an Schwetzingen, was fehlt ihnen, welche Wünsche und Erwartungen haben sie an die Politik?

An 10 Thementischen ist ein World-Café eingerichtet. Die Schüler*innen dürfen auf den beschreibbaren Tischdecken ihre Gedanken kreuz und quer notieren. Es geht um Treffpunkte für junge Menschen in Schwetzingen und um Freizeitangebote, um Fragen der Sicherheit und Digitalisierung, aber auch um Politik und Beteiligung, um Stadtentwicklung und natürlich auch um Schule, um Bildungsbeteiligung und Verbesserung der Mobilität. An zwei Tischen werden neue Ideen für ein mögliches Engagement entwickelt. Ein Jugendbürgermeister, das ist zum Beispiel eine dieser Ideen.

Am Ende des Vormittags werden die auf Plakate geschriebenen Ergebnisse von den Jugendlichen in einem Schlussplenum präsentiert.

Die Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, kommunaler Jugendarbeit und Schulen erweist sich als sehr inspirierend. Die Jugendlichen waren intensiv bei der Gruppenarbeit dabei und brachten viele Ideen ein. Alle sind nun gespannt, wie es weitergeht. Im Dezember soll der Beteiligungsprozess der Jugendlichen im 8er-Rat eine Fortsetzung finden mit einem zweiten Jugendforum im Schloss, bei dem dann auch Experten für die einzelnen Themen hinzukommen.

Gefragt, wie die Schüler das erste Treffen des 8er-Rats empfunden haben, antworten viele mit „gut“, „interessant“, eine „coole Sache“, „besser als Schule“. Sie sind motiviert, weiterzumachen, sehen die Chance, dass Ideen konkret umgesetzt werden könnten, wenn es gelingt, machbare Konzepte zu entwickeln und dann den Gemeinderat von der Umsetzung zu überzeugen.