Der Schramberger Weg der Jugendbeteiligung

von Udo Wenzl

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Jugend – Neujahrsempfang Schramberg: Es ist Freitag, 26. Januar 2018, 16.00 Uhr, der Oberbürgermeister und der Gemeinderat laden alle Jungbürger*innen zwischen 12 und 21 Jahren ein – ein Fixpunkt im Rahmen des jährlichen Jugendbeteiligungsverfahrens und ein Ort der Anerkennung und Wertschätzung. Das ‚JUKS³‘ – Team, der zentrale Netzknotenpunkt von Generationen, unterschiedlichen Zielgruppen und Verwaltung, Netzknoten zwischen außerschulsicher Jugendbildung und Schulen, zwischen Stadt und Landkreis, hat die Veranstaltung organisiert. Und so ist auch das Konzept der Jugendbeteiligung ein Beispiel gelungener Vernetzung zwischen Schule (z.B. durch Tandems von Lehrer*innen und den städtischen Schulsozialarbeiterinnen) und der kommunalen Jugendarbeit ‚JUKS³‘.

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Und so sieht das Umsetzungskonzept aus: ALLE weiterführenden Schulen arbeiten mit einem Politikworkshop an den Themen Kommunalpolitik und dem Lebensgefühl der jungen Generation, insbesondere an den für sie relevanten Themen. Hier gibt es kein einheitliches Beteiligungskonzept, sondern die Tandems setzen, mit Unterstützung des JUKS – Teams, die methodischen Schritte je nach Zielgruppe, nach Gruppen- und Schulgröße um. Die Zielsetzung hierbei ist jedoch mit allen abgestimmt: Themen, Anliegen und Stimmungsbilder zu erarbeiten, die dann bei einer gemeinsamen und somit schulübergreifenden Beteiligungswerkstatt zusammengeführt werden und mit einer Präsentation beim Jugend-Neujahrsempfang den politischen Vertreter*innen vorgestellt werden. Aus dieser Beteiligungswerkstatt bilden sich dann Arbeitsgruppen, die gemeinsam mit dem Oberbürgermeister, den Fachbereichsleitungen und dem JUKS-Team weiter arbeiten.

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Ich durfte den Prozess in Schramberg nicht zum ersten Mal mit begleiten und erfahre durch diese praktische Entwicklung eines geeigneten Verfahrens immer wieder neu, was in einem solchen Prozess zu beachten ist. In Schramberg war es diesmal die besondere Kooperation mit den weiterführenden Schulen: Die Tandems aus Schulsozialarbeit und Lehrer*innen schaffen eine weitere, gewinnbringende Ebene der Jugendbeteiligungsarbeit und befördern die Kooperationsbereitschaft der Schulen. Die unterrichtliche Einbindung in den Gemeinschaftskundeunterricht und die Jugendlichen, die sich in ihrer Schule mit der Jugendbeteiligung intensiv beschäftigen, erhalten durch die Vernetzung mit der politischen Gemeinde gleichzeitig einen realen Bezug zum kommunalen öffentlichen Leben.

Ausgangsituationen ändern sich immer wieder und entwickeln sich weiter

Zurück zum Jugend-Neujahrsempfang: Oberbürgermeister Thomas Herzog erzählte in seiner Begrüßung von den Etappen der Jugendbeteiligung der Stadt: Er erinnerte sich noch an den Jugendgemeinderat, den er als Schüler erlebte. Als er 2011 Oberbürgermeister wurde, war mit SIJU („Schramberger Initiative der Jugendlichen“) ein sehr offenes Format der Jugendbeteiligung entstanden. Hier fand u.a. ein verstärkter Dialog mit Senioren statt (http://www.partizipations-blog.de/2014/05/buergerbeteiligung-als-generationendialog/) und die Beteiligungswerkstatt zum ‚Berneckstrand‘. 2012 lud der Oberbürgermeister zum ersten Jugend-Neubürgerempfang ein. 2016 wurde, angeregt durch das JUKS-Team, mit Lehrer*innen und dem Team der Schulsozialarbeit ein weitergehendes Format der Jugendbeteiligung entwickelt, wie oben in Kürze beschrieben. Ein gutes Beispiel dafür, wie unterschiedliche Formate der Jugendbeteiligung in Kommunen sich nach Bedarf immer wieder neu erfinden können.

Interessant war, dass bei der Ergebnisvorstellung ‚Mini-Schramberg‘ (http://www.mini-schramberg.de/willkommen) von zwei Gruppen als tolles Angebot für Kinder erwähnt wurde. Ich vermute, die Jugendlichen, die da gesprochen haben, waren selbst schon Teilnehmende bei diesem Angebot. Wenn Kinderbeteiligungsformate wie ‘Mini-Schramberg‘ dazu führen, dass die Kinder positive Erfahrungen mit ihrer Kommune machen, dann ist dies die beste Voraussetzung für eine gelingende Jugendbeteiligung.

Bildungspläne greifen die Jugendbeteiligung auf

Die kommunale Jugendbeteiligung ist als fester Bestandteil im Bildungsplan Gemeinschaftskunde verankert. Dort heißt es u.a.: Die Schülerinnen und Schüler können „Partizipationsmöglichkeiten Jugendlicher beschreiben (Beteiligungsverfahren nach der GemO, Einflussnahme auf die öffentliche Meinung) und die Akzeptanz dieser Möglichkeiten unter Jugendlichen mithilfe von Material überprüfen.“ (Quelle:  http://bildungsplaene-bw.de/site/bildungsplan/get/documents/lsbw/export-pdf/depot-pdf/ALLG/BP2016BW_ALLG_SEK1_GK.pdf). Dies sollten wir jetzt nutzen, um mit Schule und Jugendarbeit ein gemeinsames Konzept der Jugendbeteiligung zu entwickeln. Konkrete Gedanken hierzu habe ich unter: https://www.politaktiv.org/blog/-/blogs/udo-wenzl-meine-wunsche-fur-die-nachsten-jah-1 veröffentlicht.

Das Land unterstützt Entwicklungsprozesse

Wer sich in der Förderlandschaft unseres Bundeslandes umschaut, entdeckt immer wieder Programme, die Kinder- und Jugendbeteiligungsprozesse mit fachlicher Expertise und auch finanziell mit unterstützen. Ein solches Programm ist „Jugend BeWegt – Politik konkret: lokal. wirksam. vernetzt.“ (http://jugendbeteiligung-bw.de/index.php?id=11) von der Jugendstiftung Baden-Württemberg. Rund 40 Kommunen wurden seit 2012 gefördert und Schramberg ist mit dabei.

Jugendbeteiligung macht Spaß

Jugendbeteiligung macht den Menschen in Schramberg Spaß. Und das nicht nur in Schramberg. Der Dialog der Generationen zwischen jungen Bürgerinnen und Bürgern und den politisch Verantwortlichen macht allen Beteiligten Spaß und bringt neue Impulse. Und da geht es nicht nur um die Zukunftsperspektive der Kommune, sondern um die Inspiration, die sich in den gemeinsamen Gesprächen ergeben.

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